music
tshirt

contact

Andreas Leikauf
Meine Erste Million

Es war im Frühjahr 1996. Ich hatte wieder einmal zu wenig Geld. 3 Banknoten, eine zu hundert Schilling, ein Fünfziger und ein Zwanziger, waren noch in meiner Brieftasche. Dagobert Duck hat einmal gesagt: "Geld machen ist keine Kunst". Damit lag er natürlich, wie so oft, falsch. Ich beschloß ihn zu widerlegen, und den Satz "Kunst machen bringt kein Geld" ebenfalls. Also überarbeitete ich die Scheine und machte aus dem Zwanziger 150 Schilling, aus dem Fünfziger 200 und aus dem Hunderter 250.

Es war ein lustvolles Gefühl, etwas gleichsam heiliges, wie es Banknoten in unserer Gesellschaft nun einmal sind, zu entweihen. Strafbar war es dazu auch noch, wie schön! Darüberhinaus hatte sich der Wert meines Geldes damit in kürzester Zeit mehr als verdreifacht. Die Rückseiten der Scheine beließ ich (abgesehen von einer unauffälligen Signatur) so, wie sie waren, damit ich sie notfalls noch zu ihrem ursprünglichen Wert verwenden konnte.

Das war der Anfang. Aber da Geld süchtig macht, wollte ich mehr davon, viel mehr. Meine erste Million! Dazu schien mir zweierlei unabdingbar: Erstens, die Wertsteigerung mußte größer werden, sonst würde es zu lange dauern. Zweitens, ich durfte mich nicht auf heimische Geldscheine beschränken, da die Materialkosten zu hoch wären. Es war daher naheliegend, auch Fremdwährungen zu verwenden. Einen Hundert-Schilling-Schein bekommt man schließlich nur selten geschenkt, aber aus dem Urlaub mitgebrachte kleine Banknoten kann bald jemand entbehren.

Aus all diesen Scheinen, deren Herkunftsland nach Bearbeitung bestenfalls auf den zweiten Blick feststellbar ist, erzeugte ich so eine einheitliche Währung (Umrechnung in Schilling 1:1). Die Konvertabilität der ursprünglichen Währungen wird dadurch sabotiert. Nicht die Notenkurse legen Auf- und Abwertungen fest, sondern ich als Künstler.

Üblicherweise zieren die Konterfeis verstorbener Prominenz die Banknoten. An deren Stelle traten nun Comicfiguren: bösartige, lächerliche Mutanten und Zombies. Alle Symbole des nationalen Pathos sind unkenntlich gemacht oder verfremdet: Schmutziges Geld.

Die erste Million wäre also geschafft - und die ist ja bekanntlich die schwerste. Ab jetzt wird alles einfacher. Oder, um in den Worten von Max (nomen est omen) Goldt zu jubilieren: "Wie gut, daß ich ein Künstler bin!".


Wien, Dezember 2000.



prints
grafix